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Unterriexingen

Detailinformationen

Größter Stadtteil

Ortsansicht Unterriexingen

Der Stadtteil Unterriexingen liegt rund 12 km von Ludwigsburg entfernt zu beiden Seiten der Glems, die nördlich des Ortes in die Enz mündet. Im Jahr 1973 schloss sich die selbständige Gemeinde mit Markgröningen zusammen.

Vor- und Frühgeschichte

Die Hochflächen um Unterriexingen waren bereits in der Jungsteinzeit (vor rund 5000 Jahren) besiedelt. Die Kelten hinterließen aus dem letzten vorchristlichen Jahrtausend mehrere Grabhügel auf dem "Ruxart" und im "Überrück", den "Katzenbiegel" und das ehemalige "Lindenbückele" und den "Bühl" im Bergtal.

Ein merowingerzeitlicher Grabfund mit Beigaben (6. - 7. Jh.) wurde in einer Baugrube in der Weberstr. 12 (100 m südl. der Kirche) gefunden.

Im Jahr 793 erscheint der Name Ruotgisina erstmals in den Güterverzeichnissen des Klosters Lorsch an der Bergstraße, ein Zeichen dafür, dass unter den Karolingern die Christianisierung auch unsere Gegend erreicht hatte. In älteren Namensnennungen wird zwischen Oberriexingen und Unterriexingen nicht unterschieden. So feierten 1993 beide Gemeinden ihre 1200-Jahrfeier. 1342 taucht erstmals „Nidern Ruexingen“ auf.

Burg und Schloss

Der aus dem 14. Jahrhundert stammende Bergfried ist 29 m hoch und birgt noch Reste eines frühen Wohnturms des ausgehenden 12. Jahrhunderts in sich. Die Burg war ursprünglich durch einen Graben geschützt, der jedoch kein Wasser führte. Vermutlich sollte die über der Enz errichtete Burg der Sicherung von Holztransporten dienen.

Nach Umbauten und Erweiterungen zeigt sich das Schloss heute als ein Palais des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, das einen mittelalterlichen Kern in sich trägt. Es steht in einem riesigen Park. Seit jeher gehörte das Schloss einer der adeligen Ortsherrschaften, die Unterriexingen besaßen. Von 1717 bis 1763 und wieder ab 1815 waren das die Freiherren Leutrum von Ertingen.

Die Wirtschaftsgebäude datieren von 1846. Sie wurden an Stelle einer kleineren Meierei erstellt und präsentieren sich in Form einer eingeschossigen gotisierenden Dreiflügelanlage mit Werksteinfassade.

1972/73 wurde das Schloss-Ensemble von Prinz Alexander von Ratibor und Corvey und seiner Gemahlin Prinzessin Irmela geborene Gräfin Leutrum von Ertingen mit dem Architekten Dr. Walther-Gerd Fleck restauriert.

Das Schloss ist bewohnt. Eine Tierpension befindet sich ebenfalls in der Anlage.

Schloss Unterriexingen mit Bergfried

Die Herrschaftsverhältnisse

Dorfidylle Uri

Familien, die sich "von Riexingen" nennen, begegnen uns erstmals in den Stifterverzeichnissen der Klöster Hirsau und Reichenbach in der Zeit um 1100. Ihr Besitz war nicht auf Unterriexingen beschränkt. Spätestens im Jahr 1396 waren auch schon die Württemberger am Ort begütert, denn sie ließen 13 Einwohner von Unterriexingen zusammen mit den Bürgern von Markgröningen "mit uffgebottenen Fingern" geloben, sich nimmermehr von der Herrschaft Württemberg zu entfremden.

Im Laufe der Jahrhunderte konnte Württemberg mehr als drei Viertel des Dorfes an sich bringen. Die Untertanen waren von nun an nach der Lage ihres Hausbesitzes geteilt, so dass der Erwerb eines Hauses hier zum edelmännischen, dort zum württembergischen Untertanen machte. Die Grenze bildete die Glems.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren 570 Einwohner württembergisch, 176 edelmännisch und 76 gemeinschaftlich. Nach dem Aufstieg Württembergs zum Königreich im Jahr 1806 unterstanden auch die adligen Untertanen König Friedrich I.

Glemsbrücke

Das Dorf entwickelte sich zunächst vorwiegend entlang der Hauptstraße mit dem alten Rathaus als Schwerpunkt. Neben dem heutigen Schlosspark bildete früher der Pölnitz'sche Garten mit dem "Schlösschen" nördlich der Kirche (heute: Volksbank) ein zweites herrschaftliches Zentrum, dem, genau wie in der Schlossparkstraße, eine Häuserzeile seiner "Hintersassen" gegenüberstand.

Diese Häuser bestanden meist nur aus Erdgeschoss und Dach, sog. Seldnerhäuser, dazu gehörte ein schmaler Streifen Garten hinter dem Haus. Heute ist diese Bauform fast ganz verschwunden. Die beiden Dorfhälften links und rechts der Glems waren früher nur durch das "Kappelbrückle" an der Einmündung der Brückenstraße verbunden.

Die Glemsstraße hörte am Mühlkanal auf. Über die an dieser Stelle aufgestaute Glems führte nur ein schmaler Holzsteg. 1852 wurde an dessen Stelle um 3000 Gulden eine Holzbrücke gebaut, die das Hochwasser 1901 nach einem gewaltigen Wolkenbruch wegriss. Danach entstand die jetzige Steinbrücke.

Die Kirchen

Dorfkirche

Die außerhalb der Siedlung, auf einem Hang stehende Frauenkirche war ursprünglich die Pfarrkirche. Zum Pfarrsprengel gehörte früher vermutlich auch der Glems aufwärts gelegene Weiler Talhausen. Im 13. Jahrhundert wurde zuerst der Turm errichtet, an den später das Kirchenschiff angebaut wurde.

Die Grabplatte des Friedrich von Riexingen aus dem Jahr 1394 ist die älteste der zahlreichen, kunsthistorisch wertvollen Grabplatten, die die Kirche schmücken. Vor der Reformation war die Frauenkirche eine Wallfahrtskirche, deren Wände mit Fresken bemalt waren, die großenteils das Weltgericht darstellten. Im Innern befand sich neben anderen Altären der geschnitzte, vergoldete Altar "Unserer lieben Frau".

Im Dorf stand nur eine kleine Kapelle für den "Frühmesser", der sein Einkommen aus der Enzmühle bezog. 1628 war die Gemeinde es müde, den langen Weg zum Gottesdienst bis zur Frauenkirche zu gehen. Man vergrößerte die Kapelle, die zur eigentlichen Pfarrkirche aufstieg. Möglicherweise wurde für diese Erweiterung ein bereits bestehendes Gebäude benützt, denn die Kirche hat einen Weinkeller und unter dem Dach einen zum Teil mit Fliesen ausgelegten Getreidespeicher.

1694 setzte ein Blitzschlag die Frauenkirche in Brand. Die Schäden wurden nur notdürftig repariert, die Kirche verfiel mehr und mehr zur Ruine. Ab 1874 ließ Gerhard Graf Leutrum von Ertingen die Frauenkirche renovieren und erwarb sie, um im Chor eine Familiengruft anzulegen. Nach dem Abschluss der Baumaßnahmen ließ der Graf einen romanischen Kruzifixus aus Ertingen in die Frauenkirche überführen.

Seit der Renovierung dient die Frauenkirche für Gottesdienste bei Beerdigungen. Für die erneute Renovierung der Kirche erhielt der Besitzer Karl Magnus Graf Leutrum von Ertingen im Jahr 2003 den Denkmalpreis des Schwäbischen Heimatbundes.

Frauenkirche Unterriexingen

Das 19. Jahrhundert

Im Jahr 1856 gab es insgesamt 327 Gebäude, von denen 181 zu Wohnzwecken dienten und 146 Nebengebäude waren. 1068 evangelische und 3 katholische Einwohner lebten im Ort. Die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft und war sehr arm. Als Taglöhner fanden die Männer auf größen Höfen in Pulverdingen und Hochdorf Arbeit. Zahlreiche Bewohner wanderten nach Amerika aus, um dort ihr Glück zu suchen. 

Erstaunlicherweise gründete sich bereits im Jahr 1862 ein Männerchor, der sich Concordia, das heißt auf deutsch “Eintracht” nannte. Hier wurden nicht nur kirchliche Lieder gesungen, wie ein Visitationsbericht erwähnt. Der Lehrer Carl Friedrich Seuff war der erste Chorleiter.  

Im Jahr 1879 beschloss der Gemeinderat, eine freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Die Truppe war 1880 einsatzbereit.

Die Jahre 1933 bis 1945

Im Zuge des "Neckar-Enz-Stellung" wurde 1936/37 an der rechten Hangkante zum Enztal  hin eine Kette von Bunkern und Stollen angelegt, deren Überreste heute zum Teil noch zu sehen sind.

Im gegenüberliegenden Hang wurde im Laufe des Krieges ein Stollen gegraben, um eine Rüstungsfirma aus Mannheim auszulagern. Das Projekt lief unter dem Decknamen "Gallinit". 1944 wurden in Unterriexingen mehrere Barackenlager errichtet: im "Kirschenbäumle" waren hauptsächlich jüdische Häftlinge untergebracht, ferner gab es Baracken "Hinter den Gärten", im "Kreuzgarten" und im "Eichrain".

Die Menschen kamen vorwiegend vom KZ Natzweiler (Vogesen) über die KZ-Außenstelle Wiesengrund bei Vaihingen/Enz nach Unterriexingen und wurden beim Flugplatzbau in Großsachsenheim, im Steinbruch und im Stollen eingesetzt.

Durch Schwerstarbeit und eine völlig unzureichende Ernährung wurden 363 Häftlinge hier ermordet. Anfangs wurden die Leichen nach Vaihingen/Enz transportiert, danach in Unterriexingen beerdigt. An diese Zeit soll der 1947 eingerichtete KZ-Friedhof mit der 1962 aufgestellten Kalkstein-Stele erinnern. Der Friedhof wurde 2007 neu gestaltet.

Unterriexingen heute

Malerische Natur

Der Stadtteil hat ca. 2400 Einwohner und ist ein modernes und lebendiges Gemeinwesen mit einer guten Grundausstattung öffentlicher Einrichtungen: eine Verwaltungsstelle der Stadt Markgröningen, Kirchengemeinden, zwei Kindergärten, eine Grundschule, eine Zweigstelle der Stadtbücherei und ein Jugendtreff gehören hier – neben der Feuerwehr und einer Arztpraxis - erwähnt.

Ein starkes Engagement der Vereine prägt das Leben am Ort. Von der Kuckuckskirbe Anfang Mai über die Musikantenlaube auf dem Kelterplatz im Juni bis hin zum Tag des offenen Denkmals im September bei der Frauenkirche, all diese Feste leben von den Vereinen. 

Geschichtsinteressierte Wanderfreunde können über 5,4 km dem ausgeschilderten „Rundweg Unterriexingen“ folgen und die Geschichte des Ortes sowie seine malerische Gemarkung kennen lernen. Der Glemsmühlen-Radweg und der Enztal-Radweg führen über die Markung.

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Weitere Informationen

Literatur

  • Goldschmidt, Harald &
    Weber, Wolfgang:
    Die ev. Pfarrkirche zu Unterriexingen
    Markgröningen-
    Unterriexingen 1993
  • Graf Leutrum, Gerhard:
    Die Gräflich-Leutrumsche Frauenkirche zu Unter-Riexingen,
    Stuttgart 1891
  • Hess, Hans-Burkhard:
    Unterriexingen - Ein historisches Kaleidoskop
    Markgröningen 1993
  • Reyscher, August Ludwig:
    Erinnerungen aus alter und neuer Zeit (1802-1880),
    Auszug abgedruckt in: ‘Durch die Stadtbrille', Band 2, 1986 
  • Schad, Petra:
    Die Frauenkirche in Unterriexingen
    in: Ludwigsburger Geschichtsblätter, Band 59/2005, S. 17ff.

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